Das Geheimnis der Lebenskünstler

Es läuft wieder einmal alles schief: Der Bus ist Ihnen vor der
Nase weggefahren, im Supermarkt ist Ihre Lieblingsmarmelade
vergriffen und der Partner erklärt, dass aus dem Wochenendausflug
nichts wird, weil er arbeiten muss. Und vielleicht ist
das noch nicht einmal alles, was Ihnen in die Quere kommt.
Das kann einem ganz schön die Laune vermiesen, oder?

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Dinkel-Nuss-Schiffchen – die Riesenenttäuschung!

„Vollkornbäckerei“ stand in großen Buchstaben über dem Eingang des Ladens. Wenn man wie ich in keiner Großstadt wohnt, biete sich nicht so oft Gelegenheit „echtes“ Vollkornbrot und Vollkorngebäck zu bekommen. Also nutze ich die Gelegenheit die mir die ungewohnt große Auswahl des gut sortierten Ladens bietet. Und für den besonderen Genuss lasse ich mir ein Dinkel-Nuss-Schiffchen einpacken. Der Bodenteig ist wie ein kleines Boot geformt, beladen mit einem Berg aus
Nüssen und Körnern. Ganz so wie ich es liebe:
Großkörnig, knusprig und süß.

Dann ist es soweit: ich beiße erwartungsfroh in meine kleine Köstlichkeit. Aber das erwartete Krachen und Knacken in meinem Mund bleibt aus! Stattdessen zerfällt das Körner-Nuss-Gemisch ohne nennenswerten Widerstand zu leisten im Mund und auch in der Hand in seine Einzelteile. Die Nüsse und Körner sind nicht so knackig wie man es hätte von ihnen erwarten können. Eine Enttäuschung mit der ich nicht gerechnet hätte!

Missmutig kaue ich meinen  Mund leer. Auch den zweiten Bissen bringe ich genusslos hinter mich und fasst wäre es passiert, den Rest in großen Happen ärgerlich in meinen Schlund zu befördern. Gott sei Dank gelingt es mir, inne zu halten und den Fuß in die Tür meiner Enttäuschungsgefühle zu bringen.

Was war passiert? Meine Erwartungen wurden frustriert. Ich hatte es mir anders vorgestellt. Der Honig, der als Süß- und auch als Bindemittel diente um die Masse zusammenzuhalten, hat für eine andere Konsistenz gesorgt, als ich es mir von dem Dinkel-Nuss-Schiffchen erhoffte.

Vielleicht mag der geneigte Leser jetzt denken: Was interessiert mich, ob dem Elmar sein Nussteilchen geschmeckt hat oder nicht. Aber darum geht es gar nicht. Vielmehr geht es um einen alltäglichen Vorgang der unsere Gemütsverfassung vermiesen kann: Wir haben Erwartungen und diese werden nicht erfüllt. Das macht uns ärgerlich, manchmal sogar wütend. Wir sind enttäuscht oder resignieren und gehen damit in eine Opferhaltung. Da uns dies womöglich öfters passiert kann sich in unserem Bewusstsein breit machen, das Leben wäre ungerecht und uns nicht wohl gesonnen.

Unterschätzen wir nicht, wie sich solche Bewusstseinszustände wie ein Grauschleier über unser Gemüt legen können und wir unbewusst genau diese Ereignisse anziehen die zu diesem Stimmungsniveau, diesen Schwingungen passen. Aber darauf möchte ich in diesem Blog nicht näher eingehen. Worum es mir heute geht, ist das Gefühl der Enttäuschung.

Lassen wir uns das Wort „Enttäuschung“ näher anschauen. Wir können nur „ent“-täuscht sein wenn vorher eine Täuschung vorlag. Wir haben eine Vorstellung von etwas. Und wenn wir dann merken, dass wir uns in unserer Vorstellung getäuscht haben entsteht das Gefühl der Enttäuschung. Dummerweise ist dies nicht angenehm, obwohl wir eigentlich froh sein könnten, dass die Täuschung endlich aufgeflogen ist. Je nachdem, um was es sich handelt, kann es ein sehr bitteres Gefühl sein, wenn wir uns in etwas getäuscht haben. Wir hätten es ja gerne anders gehabt oder haben es uns zumindest anders vorgestellt.

Aber machen wir es wieder eine Nummer kleiner. Gehen wir wieder zurück zu meiner Dinkel-Nuß-Schiffchen-Enttäuschung. Die Täuschung ist also aufgeflogen: Das vollwertige Backwerk ist weich statt knusprig. Wenn ich es nun schaffe, mich jetzt ohne Erwartung darauf einzulassen und hinzuspüren, stelle ich fest, dass es trotzdem sehr wohl schmeckend ist. Nicht so pappsüß und trotz allem kernig. Da ist der von mir geliebte nussige Geschmack und das Bewusstsein hochwertige und gesunde Lebensmittel zu verzehren. All dies rundet das genussvolle Geschmackserleben ab.

Bin ich froh das ich wenigstens die zweite Hälfte dieser Leckerei genießen konnte, zumal dieses Teil immerhin 2,25 € gekostet hat 🙂

Fazit: Ärger, Missmut und Enttäuschungen entstehen immer dann, wenn etwas anders ist, als wir es erwartet und gewollt haben. Wenn es uns gelingt, die Enttäuschung im wörtlichen Sinne zu sehen, werden aus negativen Gefühlen zumindest neutrale. Schaffen wir es gar wie echte Lebenskünstler aus dieser Situation noch das Beste zu machen, kann sogar aus einer Enttäuschung ein Wohlgefühl werden. Aber das wäre vielleicht doch zu viel des Guten. Das wäre ja noch schöner! So weit wollen wir nicht gehen oder?

Faszination Hypnose

Hypnose hatte für mich als Kind schon eine große Faszination. Die Vorstellung, andere Menschen in einen Trancezustand zu versetzen und mit der Kraft des Wortes zu beeinflussen oder gar zu lenken fand ich sehr aufregend. In der Pubertät träumte ich oft davon, wie die Fähigkeit hypnotisieren zu können in Bezug auf die Zuneigung des anderen Geschlechts sehr von Vorteil sein könnte. Damals hatte ich noch die Vorstellung, ein Hypnotiseur habe so etwas wie eine angeborene „Zauberkraft“. Später erfuhr ich, dass die Kunst des Hypnotisierens jeder lernen kann und es keiner besonderen Begabung bedarf.

Meine erste Hypnoseerfahrung machte ich mit Mitte 20. Ich fuhr nach Stuttgart um mich durch Hypnose in frühere Leben zurückversetzen zu lassen. Aus Neugier. Ich habe damals viele Bücher über Reinkarnation regelrecht verschlungen und hoffte insgeheim, mich als Dschingis Khan, Kaiser Nero oder zumindest als ein rechtschaffender Bäcker im 18. Jahrhundert wieder zu erleben.

Ich war völlig enttäuscht! Zunächst einmal war ich keineswegs „weggetreten“ und die tiefe Bewusstlosigkeit, die ich erwartet hatte blieb auch aus. Vielmehr hörte ich noch die Geräusche von der Straße und das Ticken der Wanduhr. Auch gingen mir Gedanken durch den Kopf, die mit der Sache, um die es gerade ging, nichts zu tun hatten. Trotzdem war es ein seltsamer Zustand, denn es tauchten außerdem vor meinem inneren Augen Bilder auf und vor allem Gefühle, die ich nicht zuordnen konnte. Da ich aber der Meinung war, die Hypnose habe nicht funktioniert, schenkte ich diesen Bildern wenig Beachtung, zumal sie ja auch nicht dem erwarteten historischen Film entsprachen.

Damit hatte sich das Thema Hypnose für mich zunächst einmal erledigt, aber die Faszination und das Interesse blieb trotzdem. 1982, also mit 30 Jahren besuchte ich ein Seminar „Persönlichkeitsentwicklung“ bei Prof. Hermann Felder. Dabei erlernte ich das „Autogene Training“. Damals machte mir mein deutliches Übergewicht, meine 40-50 Zigaretten, Stress und eine ungesunde Lebensführung sehr zu schaffen. Ein ständig hoher Blutdruck war das Warnsignal. Nach dem Seminar habe ich täglich (wenn ich etwas an mir liebe, dann ist es meine Beständigkeit) 10 Minuten Autogenes Training gemacht, mindestens 2 Jahre und danach so, wie es mir danach war. Mit dem Autogenen Training, was ja eine Form von Selbsthypnose ist, konnte ich meinen Blutdruck deutlich verbessern und es kehrte mehr innere Ruhe ein.

Etwa 10 Jahre später erlernte ich die Technik des „Mentalen Trainings“ und dann war der Weg zu einer fundamentierten Hypnoseausbildung nicht mehr weit. Inzwischen gehört die Hypnose in meiner Arbeit als Coach und Verhaltenstrainer zu meinem wichtigsten „Handwerkszeug“.

So schließt sich häufig der Kreis im Leben: Was in der Kindheit schon eine große Faszination
ausgeübt hat, ist letztendlich über Umwegen
zu meinem Beruf und zur Berufung geworden.