Pfingstbestellung

Ein Pfingstgedichtchen will heraus
Ins Freie, ins Kühne.
So treibt es mich aus meinem Haus
Ins Neue, ins Grüne.

Wenn sich der Himmel grau bezieht,
Mich stört’s nicht im geringsten.
Wer meine weiße Hose sieht,
Der merkt doch: Es ist Pfingsten.

Nun hab ich ein Gedicht gedrückt,
Wie Hühner Eier legen,
Und gehe festlich und geschmückt
Pfingstochse meinetwegen
Dem Honorar entgegen.

Joachim Ringelnatz
(1883-1934)

(Eigentlich hieß er Hans Bötticher, wählte aber
sein Pseudonym aufgrund seiner Vorliebe
für skurrile Wortschöpfungen und Reime.)

Wunschlos glücklich? Bloß nicht!

„Ich erwarte nie etwas Positives, dann kann ich nicht enttäuscht werden“, verriet mir einmal ein Mitmensch. Das ist eine Art selbstverordnete Schutzimpfung gegen Enttäuschungen: keine Wünsche, kein Unglück, also dadurch Glück. Klingt irgendwie clever, funktioniert aber nicht. Unglücksvermeidung macht nicht glücklich, im Gegenteil.

Die Impfung ist also schlimmer als die Krankheit, vor

Weiterlesen

Sind Sie ein ausgeschlafener Mensch?

Letzte Woche wies ich auf die Risiken von schlechtem und nicht ausreichendem Schlaf hin. Gesundheitsexperten heben ihn auf die gleiche Stufe wie gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und ein gutes Mindset. Grund genug, um Ihrer Nachtruhe vorrangige Priorität einzuräumen.

Allerdings hat jeder dritte Deutsche zumindest gelegentlich

Weiterlesen

Sie alte Schlafmütze!

Von Napoleon sagte man, vier Stunden Schlaf hätten ihm genügt. Er wird so zitiert: „Vier Stunden schläft der Mann, fünf die Frau, sechs ein Idiot.“ Die moderne Schlafforschung kommt zu völlig anderen Ergebnissen. Vielleicht hätte sich Napoleon die Niederlage von Waterloo erspart, wäre er eine Schlafmütze gewesen.

„Schlafmütze“ ist ein umgangssprachlicher Begriff für eine

Weiterlesen

In guten und in schlechten Zeiten

Damals war ein Ereignis schwierig und hat Sie an Ihre Grenzen gebracht. Es hat Sie überfordert und Ihnen den Schlaf geraubt. Wenn Sie jetzt – nach vielen Jahren – daran zurückdenken, können Sie neutral davon erzählen, vielleicht sogar darüber lachen. Der Schmerz von gestern ist eine gute Geschichte von heute. Das Gehirn bewertet die Geschehnisse neu, wenn keine unmittelbare Gefahr mehr besteht. Wenn Sie dieses Phänomen verstanden haben und sich in Krisensituationen bewusst machen können, sind Sie

Weiterlesen

Haben Sie das Einstein-Gen?

Gottes Zoo ist bunt. Manch einer steht bei Stress wie ein Fels in der Brandung, andere brausen schon bei kleinsten Anlässen auf. Es gibt HB-Männchen und tote Käfer. Interessant ist es in Japan. Dort ist ein Gen namens High-COMT stark verbreitet, das Stressbotenstoffe schneller abbaut. Innere Ruhe kehrt rascher wieder ein. Nicht, weil Japaner cooler sind – viele haben diese genetische Prägung. Die gegensätzliche Variante ist das Low-COMT-Gen. Stresshormone fließen dabei

Weiterlesen

Nonnen bekommen nicht Alzheimer

Wenn Sie mal Dinge vergessen oder Ihnen ein Name nicht einfällt, haben Sie noch lange nicht Alzheimer. Jedoch ist diese Krankheit ein Schreckgespenst, die nach dem aktuellen Wissensstand nicht heilbar ist. Ausgelöst durch Ablagerungen und Eiweißknäuel sterben Nervenzellen ab. Nicht nur für die Betroffenen, auch für die Angehörigen ist der daraus entstehende Gedächtnisschwund eine Katastrophe.

1986 begann eine aufsehenerregende Studie. Forscher untersuchten akribisch und regelmäßig die

Weiterlesen

Ostern

Wenn die Schokolade keimt,
wenn nach langem Druck bei Dichterlingen
„Glockenklingen“ sich auf „Lenzesschwingen“
endlich reimt, und der Osterhase hinten auch
schon preßt, dann kommt bald das Osterfest.

Und wenn wirklich dann mit Glockenklingen
Ostern naht auf Lenzesschwingen, –
dann mit jenen Dichterlingen
und mit deren jugendlichen Bräuten
draußen schwelgen mit berauschten Händen –
ach, das denk ich mir entsetzlich,
außerdem – unter Umständen -ungesetzlich.

Aber morgens auf dem Frühstückstische
fünf, sechs, sieben flaumweich gelbe, frische
Eier. Und dann ganz hineingekniet!
Ha! Da spürt man, wie die Frühlingswärme
durch geheime Gänge und Gedärme
in die Zukunft zieht,
und wie dankbar wir für solchen Segen sein müssen.

Ach, ich könnte alle Hennen küssen,
die so langgezogene Kugeln legen.

Joachim Ringelnatz (1883 – 1934)

Das ist nicht harmlos!

Hand aufs Herz: Schauen Sie heute noch einen ganzen Film an, ohne nebenbei aufs Handy oder Tablet zu blicken? Viele Menschen öffnen dutzende Male täglich Social-Media-Apps oder YouTube, oft während sie eigentlich etwas anderes tun. Forscher der Universität Bonn haben ermittelt: Der heutige Durchschnittsmensch schaut alle 10 bis 15 Minuten auf sein Handy. 50 bis 80 Mal pro Tag. Jugendliche sogar noch mehr.

Hirnforscher warnen: Was dabei in unserem Kopf geschieht, ist kein harmloses Nebenbei, sondern

Weiterlesen

Mach dein Bett!

Die Rede des Marine-Admirals McRavens am 17. Mai 2014 an die Abschlussklasse der University of Texas in Austin ging viral: Das Video wurde auf YouTube millionenfach geklickt. Hinter seinem schlichten Rat „Mach dein Bett“ steht ein wegweisender Gedanke: Verordne dir die Disziplin, auch kleine Dinge zu erledigen, dann wirst du auch größere Vorhaben leichter schaffen. O-Ton McRaven: „Ihr werdet beim Blick auf euer Bett ein bisschen Stolz verspüren. Das wird euch

Weiterlesen