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Es gibt Telefonate, die vergisst man so schnell nicht. Als eines Morgens das Telefon klingelte und ich mich ahnend brav meldete, tönte es mir grußlos entgegen: „Siiiieee sind doch der mit der Hypnose!!!“. „Ja“, gab ich zögernd zur Antwort, „ich arbeite auch mit Hypnose.“ „Dann müssen Sie sich bei mir mal was einfallen lassen!“ schmetterte es im schönsten Hessisch aus dem Hörer. „Ich hab’s satt. Die verdammte Fresserei! Jeden Abend! Wenn Sie mich gestern Abend gesehen hätten: eine ganze Tafel Schokolade und eine 300g-Tüte Plätzchen obendrauf!“, zog Sie über sich her. „Sie müssen mich hypnotisieren!“, lautete ihre Anweisung. „Und wie stellen Sie sich das vor?“, schoß ich erst mal den Ball zurück. „Ei, Sie hypnotisieren mich und dann bin ich erst mal weg!“. „Weg? Wo sind Sie dann?“, fragte ich. „Ei, weg – egal wo, die Hauptsache weg!“, tönte es zurück. „Also mein innerer Schweinehund… das geht schon seit Jahre so… und immer wieder hab‘ ich mir gesagt, Gerlinde, du musst…“. Ihre über sich selbst empörte Selbstanklage war nicht zu bremsen. Während ihres aufgeregten Monologes kam mir der Gedankenblitz, dass dies eine Aktion des Spaßtelefons sein müsse, mit denen manche Radiosender gerne jemanden auf die Schippe nehmen.

Ihr Redeschwall endete schließlich abrupt mit der direkten Frage: „Also, was ist jetzt, können Sie mir die Fresserei weghypnotisieren oder bin ich da e bissi zu naiv?“ „Jetzt wo Sie es selbst sagen…“, entfuhr es mir, „ganz so einfach geht das natürlich nicht.“ Dann begann ich ihr zu erklären, dass hinter einem ungewollten (Sucht)Verhalten immer unbewältigte Themen stecken. Diese können Unzufriedenheit sein, Druck, Stress, fehlende Bestätigung oder Belohnung, Trost, Langeweile oder Ersatz für Zuwendung und Zärtlichkeit um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wenn das Essen oder das Naschen die Funktion der Kompensationen solcher Ursachen übernommen hat, kann man es nicht einfach wegnehmen ohne andere Lösungen dafür anzubieten.

Ich erklärte ihr, wie wir in dem 12-wöchigen Verhaltenstraining nicht das Symptom bekämpfen und auch nicht versuchen, einen imaginären inneren Schweinehund zu besiegen, sondern uns vielmehr mit den Ursachen für das kompensatorische Suchtverhalten beschäftigen. Dabei geht es um Themen wie Bewältigung von Dauerstress, wieder Achtsamkeit für das eigene Befinden zu erleben, sich selbst zu lieben und zu akzeptieren, so wie man ist oder wieder eine gute Selbstmotivation aufzubauen. Die Hypnose, die wir gemeinsam in der Gruppe machen, ist dabei sehr hilfreich. Die meisten erleben dann tatsächlich, dass es „von innen heraus“ wie von selbst geht und es keine große Willenskraft mehr braucht, sich gesund zu ernähren und sich regelmäßig zu bewegen.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, sie wollte das gar nicht so genau wissen und war ein bisschen enttäuscht, dass ich ihr nicht versprach, Ihr Problem einfach wegzuzaubern. Das kann man gut verstehen. Sicherlich hat sie schon unendlich oft versucht, etwas zu bekämpfen, was man mit Willenskraft nicht bezwingen kann. Und so sucht sie Hilfe bei jemand, der mit Hypnose vermeintlich über eine stärkere Kraft verfügt, als ihr eigener Wille.

Die moderne Verhaltensforschung weiß heutzutage ziemlich genau, was dauerhaft funktioniert und was nicht. Niemand kann sich langfristig „am Riemen reißen“. Unser Verhalten wird maßgeblich von unserer Haltung gesteuert und niemand verhält sich nachhaltig gegen seine inneren Überzeugungen. Experten sind sich darüber einig: Für langfristige Veränderungen ist ein Verhaltenstraining, das mit mentalen Techniken wie Hypnose oder NLP unterstützt wird das mit Abstand erfolgreichste. Energetische Therapieformen wie Klopftechniken ergänzen die Wirksamkeit deutlich.

Ein solches 12-wöchiges Verhaltenstraining in Gruppen führe ich seit 15 Jahren durch. Zwischenzeitlich haben bereits über 3.000 Personen davon profitieren können. Die nächsten Gruppen beginnen wieder Ende September. Am Sonntag, dem 15. September und am Samstag, dem 21. September halte ich jeweils um 15:00 Uhr in meinem Institut einen Vortrag über „Gesunde und dauerhafte Gewichtsreduktion – Verhaltenstraining mit Hypnose und Klopftechnik PEP“. Dazu ist jeder eingeladen. Es ist keine Anmeldung erforderlich. Einfach kommen.

Übrigens: Es war kein Spaßtelefon. Obige Dame hat sich ausführliche Unterlagen schicken lassen und wollte sich wieder melden. Bis jetzt hat sie sich (noch) nicht wieder gemeldet. Manchmal dauert es eben ein bisschen länger. Ich warte geduldig auf sie…

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