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Bist du gerne hilfsbereit? Hast du auch den berüchtigten „Sprachfehler“, der dich nicht „Nein“ sagen lässt? Nimmst du öfter um des lieben Friedens willen etwas auf dich, was du eigentlich gar nicht willst? Solltest du jedes Mal mit „Nein!“ geantwortet haben, kannst du dir das Weiterlesen sparen. Lautete deine Antwort jedoch bei einer der drei Fragen: „Na ja …“, dann solltest du weiterlesen, denn in diesem Artikel bekommst du praktische und sehr wirksame Tipps, wie du dich besser abgrenzen und trotzdem ein hilfsbereiter, liebenswerter Mensch bleiben kannst.

Die meisten Menschen haben das Bedürfnis, ihren Freunden und Mitmenschen zu helfen. Insbesondere bei nahestehenden Personen und in der Familie fällt uns selbstloses Handeln meist nicht schwer, sondern wir empfinden es sogar als Selbstverständlichkeit. Anderen zu helfen, ohne dabei auf eine Gegenleistung zu spekulieren, ist ein wichtiger Bestandteil zwischenmenschlicher Beziehungen, vor allem in der Familie und unter Freunden. Aber wenn man allzu bereitwillig immer zur Verfügung steht, kann man schnell ausgenutzt oder vereinnahmt werden.

Soll das nun heißen, nur noch egoistisch seinen eigenen Vorteil zu sehen? Nein, natürlich nicht, aber es geht um das rechte Maß. Sich wirkungsvoll abgrenzen zu können, wenn es einem zu viel wird, und sich trotzdem dabei gut zu fühlen, ist nicht immer leicht. Den oben zitierten „Sprachfehler“ – nicht „Nein“ sagen zu können – kann man korrigieren.

 

Wenn eigene Bedürfnisse auf der Strecke bleiben

Warum können sich viele Menschen so schlecht abgrenzen? Wir sind nun einmal „Rudeltiere“ und es war zu allen Zeiten überlebensnotwendig, dazuzugehören, gemocht oder zumindest gelitten zu sein, um nicht aus dem Rudel ausgestoßen zu werden. In frühen Zeiten der Menschheitsgeschichte hätte dies nämlich meist den sicheren Tod bedeutet. Heute, in unserer individualistisch ausgelegten Gesellschaft, benötigen wir genau genommen kein Rudel mehr. Dennoch bleibt das Zugehörigkeitsgefühl ein Grundbedürfnis und wir brauchen ein Gefühl von Verbundenheit, Sicherheit oder Harmonie wie frische Luft zum Atmen. Die meisten Menschen genießen zudem eine Erziehung, in der das Dasein für andere einen hohen Wert darstellt. „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“, forderte schon Johann Wolfgang von Goethe. Vielen Frauen wurde von ihren Müttern eindrucksvoll vorgelebt, sich dem Wohle der Familie bis zur Selbstaufgabe hinzugeben und die eigenen Belange tapfer zu unterdrücken.

Niemand möchte als Egoist gelten. Wir möchten Konflikte vermeiden und neigen dazu, auch dann „Ja“ zu sagen, wenn wir eigentlich lieber „Nein“ gesagt hätten. Manche Menschen sind regelrecht harmoniesüchtig und sie sind sogar bereit, einen hohen Preis dafür zu zahlen. Wer nicht imstande ist, sich abzugrenzen und auch einmal einen Konflikt durchzustehen, bleibt auf lange Sicht mit seinen eigenen Bedürfnissen auf der Strecke.

 

Folgende Fragen helfen am Anfang:

1. In welchen Situationen kann ich mich schlecht abgrenzen?
2. Was könnte schlimmstenfalls passieren, wenn ich „Nein!“ sage?
3. Welche Nachteile könnte ich dadurch haben? Stimmen sie wirklich?
4. Welchen Nutzen könnte ich davon haben?
5. Was hilft mir (und dem anderen!) langfristig gesehen mehr?

Die Beantwortung dieser Fragen erfordert Präsenz und Achtsamkeit mit sich selbst und seinen Gefühlen. Der erste Schritt, tief verankerte Muster zu verändern, ist, sich diese bewusst zu machen. Dies gelingt nur, wenn man den „Autopiloten“ ausschaltet. Da eigene Verhaltensmuster sehr lange geübt und verankert wurden, lassen sie sich nicht von heute auf morgen verändern. Möglich ist eine Veränderung trotzdem, aber dazu ist Geduld gefragt. Oft ist ein deutlicher Anlass als Auslöser nötig, zum Beispiel wenn man sich wieder einmal maßlos über sich selbst ärgert, weil man sich schamlos hat ausnutzen lassen.

 

Sechs Tipps, wie du besser „NEIN“ sagen kannst

1. Sag niemals(!) sofort ja

Sichere dir Bedenkzeit, indem du zum Beispiel sagst: „Ich muss erst mal nachschauen, ruf mich morgen noch mal an.“ Dadurch vermeidest du ein vorschnelles „Ja“, das man nur schwer widerrufen kann. Aber Vorsicht! Nicht: „Ich melde mich wieder“, sondern lass den anderen sich wieder melden, sonst behältst du den Schwarzen Peter.

Übrigens: Gut die Hälfte aller an dich gerichteten Anliegen erledigt sich, weil der andere eine schnellere oder bequemere Lösung findet, weil es ihm lästig ist, ein zweites Mal zu fragen, oder weil ihm das vielleicht morgen gar nicht mehr so wichtig ist.

 

2. Lass dir immer ein Hintertürchen offen

Sag zum Beispiel: „Eigentlich gerne. Aber versprechen kann ich im Moment noch nichts, weil da noch eine andere Sache aussteht.“ Nun kannst du erst einmal in Ruhe überlegen, ob du wirklich helfen willst. Stell dir dann die oben genannten Fragen.

 

3. Stelle eigene Bedingungen

Wenn du unter bestimmten Umständen zur Zusage bereit wärst, könntest du sagen: „Ja, gerne, aber ich kann nur am Dienstag ab 18 Uhr und wenn es nicht länger als eine Stunde dauert.“ So schützt du dich gegen Vereinnahmung. Schließlich will der andere etwas von dir und nicht umgekehrt, deshalb muss er auch deine Spielregeln akzeptieren. Auch Gegenforderungen wie „Wenn du mir dafür meinen Mantel in die Reinigung bringst“ sind legitim.

 

4. Schieß den Ball zurück

„Schau doch erst mal, ob du jemand anders findest, der das machen kann. Wenn du niemanden gefunden hast, kannst du dich noch einmal melden“, könnte deine Antwort lauten. So zeigst du Verständnis für das Problem des anderen, machst aber auch klar, dass du nicht als Universalproblemlöser zur Verfügung stehst.

 

5. Sag ein klares „Nein“ und nenne einen plausiblen Grund dafür

„Es freut mich, dass du dabei an mich gedacht hast. Ich bin jedoch so stark mit einer anderen Aufgabe beschäftigt, dass ich das zurzeit leider nicht unterbringe.“ Wenn du dies klar und sachlich zum Ausdruck bringst, wird es dem anderen schwerfallen, weiter zu bohren.

 

6. Revidiere deine Zusage

Wenn du dich darüber ärgerst, wieder einmal vorschnell ja gesagt zu haben, dann scheue dich nicht, deine Zusage zu revidieren. Und zwar so schnell wie möglich. So hat der andere Zeit, sich umzuorganisieren, und du bist sie schnell wieder los. Du musst und sollst dich dafür nicht rechtfertigen, das macht dich nur angreifbar. Sag beispielsweise: „Sorry, ich habe etwas anderes übersehen. Ich bringe mich sonst selbst in Teufels Küche.“

Wenn du lernst, auf diese Weise den Wünschen oder gar Ansprüchen anderer Menschen zu begegnen, wahrst du dein Gesicht, bleibst zuvorkommend und schützt dich vor unerwünschten Übergriffen. Auch hierbei gilt wie immer: Übung macht den Meister. Natürlich möchte niemand als unkooperativ oder gar als egoistisch gelten und keiner möchte sich unbeliebt machen, aber immer nachzugeben geht nur auf deinen Buckel. In Abwandlung des bekannten Sprichworts würde dies bedeuten: „Der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dumme ist.“ Wenn du es jedem recht machen willst, denk lieber daran: Everybody’s Darling wird schnell zu everybody’s Depp!

1 comment

  1. Andrea Brinkmann

    Hallo,
    na da habe ich mich doch glatt wieder gefunden, Ich sage seit Jahren immer „wenn man einmal „ja“ sagt, ist man immer dabei“. Ich will schon seit einiger Zeit einmal einen Kurs besuchen um das „Nein“ Sagen zu erlernen. Aber dann mein schlechtes Gefühl bzw. Gewissen…
    Die 6 Tipps sind wirklich super und ich werden diese in mein Büro und zu Hause aufhängen, um diese um zu setzen. Vielen herzlichen Dank
    Andrea

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