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Meine Familie. Es gibt kaum zwei Wörter,Familienbande die intensivere Gefühle auslösen. Gefühle von Geborgenheit, Liebe und Unterstützung – oder auch Enttäuschung, Wut oder gar Hass. Oft vermischen sich diese widersprüchlichen Gefühle im tiefsten Herzen und brechen in bestimmten Situationen auf, manchmal in unerklärlicher Heftigkeit. Immer gleiche Streitigkeiten mit dem Partner, Kindern oder im Beruf können sich wie ein roter Faden durch unser Leben ziehen. Mitunter beeinträchtigen unerklärliche Ängste, Zorn oder Traurigkeit spürbar die Lebensfreude.

Viele wünschen sich, endlich ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten, um Glück in Familie, Partnerschaft und Beruf zu finden. Obwohl sich die meisten Menschen für ein selbstbestimmt handelndes Individuum halten, sind sie doch in einem Netz systemischer Verstrickungen gefangen. Menschen sind soziale Wesen und somit eingebunden in Systemen wie Familie, Kindergarten, Schule, Freundeskreis, Vereine, die selbstgegründete Familie und nicht zuletzt die Firma, in der sie arbeiten. Solche Systeme, allen voran die Familie, haben eine enorme Macht und nehmen uns für ihre eigenen Ziele in die Pflicht.

Die lieben Geschwister

„Bei der Wahl seiner Eltern kann man nicht vorsichtig genug sein“, scherzte der bekannte Soziologe Paul Watzlawick. Das gilt auch für die Geschwister. Die eigene Rolle in der Geschwisterreihe prägt Verhaltensmuster deutlich.

Das Einzelkind gilt oft als verlässlich und selbstbewusst, da es die gesamte elterliche Aufmerksamkeit und Zuwendung bekam. Dies kann die Leistungsfähigkeit stärken, aber auch einen unerträglichen Leistungsdruck verursachen. Einzelkinder haben nicht den besten Ruf. Sie gelten als verwöhnt oder egoistisch. Ein Klischee, das sich hartnäckig hält, auch wenn man ihnen damit vielleicht unrecht tut.

Die älteste Tochter, der älteste Sohn werden gemeinhin als besonders verantwortungsbewusst und zielstrebig beschrieben. Die Erstgeborenen lernen von Anfang an Rücksicht, aber auch Verantwortung für das Gesamtwohl der Familie zu übernehmen. Wie Studien ergaben, sind Erstgeborene oft erfolgreicher als andere, brauchen aber auch mehr Zuwendung.

Das Sandwich-Kind hat die Vermittlerfunktion. Zwischen Thronfolger und Nesthäkchen haben diese Kinder eine benachteiligte Stellung. Dies kann sich auch als Vorteil erweisen, weil sie dadurch lernen, hartnäckig zu sein und sich durchzusetzen. Außerdem sind diplomatische und strategische Fähigkeiten der Gewinn aus einer solchen Geschwisterposition.

Das Nesthäkchen hat wie das Einzelkind einen schlechten Ruf. Ihm wird nachgesagt, verwöhnt und selbstbezogenen zu sein und gerne aus der Reihe zu tanzen. Weil es der Eifersucht der Großen ausgeliefert ist, lernt das Nesthäkchen, charmant, witzig und liebenswert zu sein. Im ungünstigen Fall aber bleibt es ein Leben lang die oder der „Kleine“, unfähig, für sich selbst zu sorgen in der Erwartung, dass andere es für sie tun.

Geschwisterbande entstehen häufig in mehrköpfigen Familien. Die engste Bindung haben natürlich Zwillinge, aber auch andere Geschwisterkonstellationen sind nicht selten. So können innerhalb des Familiensystems Parteien zwischen Geschwistern oder Elternteilen und Kindern entstehen, die bei familiären Auseinandersetzungen zusammenrücken. Im Erwachsensein werden solche vertrauten Beziehungsmuster oft in der Partnerschaft weitergeführt. Das kann stabilisierend wirken, aber auch konfliktauslösend sein, wenn dabei alte, gegenläufige Muster angeklickt werden.

Patchworkkinder haben es nicht leicht: Zwei Familien bedeuten doppeltes Familienleben. Das Doppelte von allem: Unternehmungen, Freude, Leid oder Aggression. Vier Eltern und acht Großeltern fordern zudem ihren Tribut. Aber statt sich dadurch umso behüteter zu fühlen, fehlen den Patchworkkindern oft verlässliche Bindungen und das Grundvertrauen. Selbst wenn sie aus den Erwachsenenkonflikten herausgehalten werden, fühlen sie sich meist solidarisch und sind inneren Loyalitätskonflikten ausgesetzt.

Die buckelige Verwandtschaft

Ob es uns gefällt oder nicht: Zu dem Familiensystem, in das wir hineingeboren wurden, gehören alle angeheirateten oder angenommenen Personen, und dies über viele Generationen hinweg. Wir können uns zwar von unserer Familie abwenden, wenn wir dies für richtig halten, aber wir können die systemischen Familienbande nicht lösen. Unsere gesamte Existenz spielt sich in Systemen ab. So ist die Erde Teil des Sonnensystems, auf der Erde gibt es ein Ökosystem, der Mensch wiederum hat sein eigenes körperliches Ökosystem und ist im Verbund mit seinem Familiensystem.

Systeme sind jedoch nicht statisch, sondern dauernden Veränderungen unterworfen. Wie bei einem Mobile: Alle Teile sind direkt oder indirekt miteinander verbunden und jede Veränderung wirkt sich auf das Gesamtsystem aus. Der Einzelne leistet bewusst oder unbewusst immer einen Beitrag zur Stabilität des gesamten Systems, dem er angehört. Es scheint sogar so zu sein, dass der Ausgleich für ein System auch dann geleistet wird, wenn es dem Einzelnen, dem Individuum schadet. Dazu ließen sich viele Beispiele aufzählen.

Faszination Familienstellen

Der Ursprung, aber auch die Lösung für Themen, die uns schon lange beschäftigen, liegt häufig in unserer Herkunftsfamilie. Diese hat uns in der ersten Phase des Lebens entscheidend geprägt. Wirksame Hilfe können Familienaufstellungen bringen. Ziel ist es dabei, Klarheit über Prägungen und Verstrickungen, die aus dem jeweiligen System heraus resultieren, zu entdecken und aufzulösen. Die Aufstellungen werden in Gruppen durchgeführt. Der Klient sucht für die relevanten Familienmitglieder Stellvertreter aus und postiert diese nach dem inneren Beziehungsbild im Raum.

Es ist faszinierend mitzuerleben, wie die Stellvertreter Spannungsfelder zwischen den aufgestellten Personen spüren können. Manchmal zieht sich ein Thema oder ein Muster über mehrere Generationen, da es beispielsweise bereits von der Mutter oder Großmutter vorgelebt wurde. Häufig geht es um Themen wie unbewusste Identifikationen, Übernahme fremder Schuld oder fremden Leids, ausgegrenzte dazugehörige Familienmitglieder oder nicht fließende Liebe.

Sind die relevanten Rollen besetzt, gilt es die Spannungen aufzulösen, indem klärende oder versöhnliche Worte gesprochen werden und jeder seinen angemessenen Platz in dem System einnimmt. Als würden Steine der Erleichterung vom Herzen fallen, erfahren die Beteiligten oft eine Entspannung in dem aufgestellten Systemfeld, was bis tief in die Seele wirkt.

Aufgestellt werden können die Ursprungs- oder Gegenwartsfamilie, Beziehungskonflikte zu anderen Menschen wie Arbeitskollegen, Nachbarn oder Bekannten, aber auch abstrakte Persönlichkeitsanteile wie fehlendes Selbstbewusstsein, Antriebsschwäche oder Ängste. Auch bei psychosomatischen Erkrankungen bieten Aufstellungen wertvolle Hilfe zur Genesung.

Ganz aktuell gibt es das nächste Wochenendseminar „Familienstellen“ am Samstag, 7.3. und Sonntag, 8.3. jeweils von 9-18 Uhr in Bad Orb. Weitere Infos und Anmelden

2 comments

  1. Michael Stahl

    Das stimmt absolut,mit der Familienbande steht und fällt alles,
    stark zu sein ist schwer,vergeben seiner selbst Willen schwerer.
    das Familienstellen hat mir so geholfen.
    Dennoch bleibt es immer ein Thema an dem man arbeiten muss.
    Die Kurse u das Familienstellen hat mir Kraft gegeben mich aus meiner Situation bei meinem Vater herauszulösen und u.a. eine eigene Firma zu gründen.

    1. Elmar Egold

      Es freut mich sehr, dass dir das Familienstellen so sehr geholfen hat und herzlichen Glückwunsch zu deiner eigenen Firma.
      Viele Grüße Elmar

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