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Wie alt bist du? Ja, ich weiß: man ist so alt, wie man sich fühlt. Ich wünsche dir jedenfalls ein langes Leben. Die  Voraussetzungen dafür sind bestens, denn die Lebenserwartung hat sich in den letzten 130 Jahren in Deutschland mehr als verdoppelt:

Jahr        Männer     Frauen

1880        35,58        38,45  Jahre
1910        47,41        50,68  Jahre
1930        59,86        62,81  Jahre
1950        63,95        68,02  Jahre
1980        69,62        76,17  Jahre
2011        78,07        83,01  Jahre

Die Lebenserwartung steigt jährlich und wird sich bis 2030 weitere 6,1 Jahre erhöht haben. Die Hauptgründe dafür liegen auf der Hand: bessere medizinische Versorgung, Ernährung, Arbeitsbedingungen, soziale Absicherung, um die wichtigsten zu nennen.

Trotzdem ereilt auch heute noch jeden früher oder später der Tod. Die häufigste Todesursache sind immer noch Herzerkrankungen. Trotz bester Pharmazie, Geräten und Vorsorge sterben die Menschen am häufigsten am kaputten Herzen.

Karge Beziehungen können zum frühen Tod führen

Im Betrieb herrscht ständig dicke Luft, von mangelnder Teamarbeit ganz zu schweigen. In der Familie ist Zank und Streit an der Tagesordnung. Der Rechtsstreit mit dem Nachbarn um den Grenzabstand zieht sich hin. Verwandte waren schon lange nicht mehr zu Besuch und für Freundschaften bleibt sowieso keine Zeit mehr. So könnte man sich den Alltag eines missmutigen und unzufriedenen Menschen vorstellen.

Damit sind die Weichen zu einer drastischen Verkürzung seiner Lebenszeit gestellt. Nicht etwa weil er übermäßig isst, raucht, trinkt und sich nicht bewegt, sondern weil ihm etwas elementar Wichtiges zur Erhaltung seiner Gesundheit fehlt: befriedigende soziale Kontakte und psychischer Rückhalt von Freunden und Verwandten.

Die amerikanische Wissenschaftlerin Julianne Holt-Lunstad hat mit ihrem Team 148 Studien mit insgesamt 308.000 Menschen ausgewertet. Das Ergebnis zeigt, dass sich die Wahrscheinlichkeit, alt zu werden, um 50 % erhöht, wenn man in Beruf, Familie und Freundeskreis mit freundlichen Menschen umgeben ist. Das setzt aber auch voraus, selbst etwas dafür zu tun, dass andere Menschen freundlich zu einem sind. „Dass karge soziale Beziehungen zum frühen Tod führen können, ist weder den Gesundheitsbehörden noch in der Öffentlichkeit ausreichend bekannt“, resümiert Holt-Lunstad.

Der gute Umgang mit sich selbst

Die körperlichen Risikofaktoren durch eine ungesunde Lebensführung sind hinreichend bekannt. Wer keine Freunde und keine gute familiäre Anbindung hat, ist stärker von Herzinfarkt, Schlaganfall und anderen Erkrankungen bedroht als Menschen mit guten sozialen Kontakten.

Wie die Studie ergab, bezieht sich dies keineswegs nur auf ältere Leute. Gute Beziehungen und Freundschaften schützen in allen Altersgruppen. Insbesondere die Harmonie innerhalb der Familie hat offenbar große Auswirkungen. Warum ein starker sozialer Rückhalt sich so positiv auf die Gesundheit auswirkt, ist noch nicht genau erforscht. „Wenn jemand mit einer Gruppe verbunden ist und sich für andere verantwortlich fühlt, überträgt sich das wohl auf den Umgang mit sich selbst“, sagt Holt-Lunstad. „Man passt dann besser auf sich auf, lebt gesundheitsbewusster und geht weniger Risiken ein.“ Schon in der Bibel ist zu lesen: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“

Gute Freunde kann niemand trennen

Wissenschaftler plädieren inzwischen dafür, den Mangel an erfreulichen Beziehungen ernster zu nehmen und in die Liste der großen Gesundheitsgefahren und Risikofaktoren aufzunehmen. Es gehe nicht nur um Ernährung, Bewegung und Senkung der Cholesterinwerte. „Gute Freunde kann niemand trennen, gute Freunde sind nie allein“, sang einst Franz Beckenbauer und bekanntlich hat der Kaiser immer recht. Die Begründung dafür wird auch gleich im Schlagertext mitgeliefert: „Weil sie eines im Leben können: füreinander da zu sein.“ Im Freundeskreis geht es oft entspannter zu und es gibt meist seltener Stress als im engsten Kreis der Familie. Wer sich von seinen Freunden verstanden und bei ihnen aufgehoben fühlt, stärkt seine Abwehrkräfte, schont Herz und Gefäße und ist weniger anfällig für Krankheiten.

Der Mensch ist ein Rudeltier

Zufriedenheit und Gesundheit sind ansteckend. Wer von zufriedenen Menschen umgeben ist, dem wird es in Zukunft wahrscheinlich noch besser gehen. Warum das so ist, wird von Wissenschaftlern erst nach und nach entschlüsselt. Bei Menschen ohne befriedigende soziale Netzwerke stellte man höheren Blutdruck und verhärtete Arterienwände fest. Auch im Speichel und im Urin wurden erhöhte Stressmoleküle wie Kortisol und Noradrenalin gemessen.

Aus evolutionärer Sicht bietet sich eine sinnvolle Erklärung an: Der Mensch ist ein Rudeltier. Wer früher, als wir noch täglich Lebensgefahren ausgesetzt waren, alleine, ohne das schützende Rudel unterwegs war und sich nicht auf die Unterstützung der Gruppe verlassen konnte, musste deutlich aufmerksamer und angespannter sein. Heute sind wir in aller Regel nicht mehr ständig lauernden Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt, aber wer allein in seinem Leben unterwegs ist, läuft Gefahr, unter einem erhöhten Anspannungsmodus zu leiden. Wer einsam seine Kreise zieht, trägt damit höhere Krankheitsrisiken in sich.

Gute Gefühle sind ansteckend

Gemeinsamkeit ist die beste Medizin. Gegenseitige Unterstützung, sei es in der Familie, im Beruf oder im Freundeskreis, macht uns kurzfristig leistungsfähiger und langfristig gesünder. Teamwork tut gut und macht glücklich. „Elf Freunde müsst ihr sein!“, sagte schon der legendäre Bundestrainer Sepp Herberger und hatte damit Erfolg. Gute Gefühle breiten sich aus, wenn man mit anderen zusammenkommt und sich dazugehörig und angenommen fühlt. Gute Gefühle sind ansteckend. Wissenschaftler haben herausgefunden: Wenn ein befreundeter Mensch oder ein Familienmitglied glücklich ist, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit um 25 %, ebenfalls glücklich zu werden. Für die restlichen 75 % ist allerdings jeder selbst zuständig.

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