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Die meisten Menschen haben das Bedürfnis, ihren Freunden und Mitmenschen zu helfen. Insbesondere bei nahestehenden Personen fällt uns selbstloses Handeln nicht schwer, sondern ist beinahe eine Selbstverständlichkeit. Anderen zu helfen, ohne dabei auf eine Gegenleistung zu spekulieren, ist ein wichtiger Bestandteil zwischenmenschlicher Beziehungen, vor allem in der Familie oder unter Freunden. Aber, wenn man allzu bereitwillig immer zur Verfügung steht, fühlt man sich schnell ausgenutzt oder vereinnahmt.

Wie so oft findet sich das richtige Maß auf dem Mittelweg. Sich wirkungsvoll abgrenzen zu können und sich trotzdem dabei gut zu fühlen ist nicht immer leicht. Kennst du auch den berühmten „Sprachfehler“ – nicht „Nein“ sagen zu können?

Wir sind nun einmal „Rudeltiere“ und es war zu allen Zeiten schon immer überlebensnotwendig, dazu zu gehören, gemocht oder zumindest gelitten zu sein um nicht aus dem Rudel ausgestoßen zu werden. Früher bedeutete dies oft den sicheren Tod. Heute, in unserer individualistisch ausgelegten Gesellschaft, brauchen wir das Rudel nicht mehr. Dennoch bleibt das Zugehörigkeitsgefühl ein Grundbedürfnis, wie der Wunsch nach Sicherheit oder wie frische Luft zum Atmen. Die meisten genossen zudem eine Erziehung, in der für andere da zu sein, ein hoher Wert darstellt. Oft wurde uns dies so vorgelebt, insbesondere Frauen von ihren Müttern. Niemand möchte als Egoist gelten. Auch möchten wir Konflikte vermeiden und so neigen wir dazu, um des lieben Friedens willen auch dann „ja“ zu sagen, wenn wir eigentlich lieber „nein“ gesagt hätten.

Es kann sehr hilfreich sein, sich folgende Fragen zu stellen:

1. In welchen Situationen kann ich mich schlecht abgrenzen?
2. Was könnte schlimmstenfalls passieren, wenn ich nein sage?
3. Welche Nachteile könnte ich dadurch haben? Stimmt das wirklich?
4. Welchen Nutzen könnte ich davon haben?
5. Was hilft mir (und dem anderen!) langfristig gesehen mehr?

Allerdings erfordert dies Präsenz und Achtsamkeit mit sich und seinen Gefühlen. Man kann tief verankerte Muster nur ändern, wenn man sich diese bewusst macht und den „Autopiloten“ ausschaltet. Da du dieses Verhaltensmuster vielleicht schon sehr lange ausübst, wird es sich nicht von heute auf morgen umlernen lassen.

6 gute Tipps um besser „NEIN“ sagen zu können

1. Sage niemals(!) sofort ja

Sichere dir Bedenkzeit, z. B.: „Ich muss erst mal nachschauen, ruf mich morgen noch mal an.“ Dadurch vermeidest du ein vorschnelles „Ja“, was man nur schwer widerrufen kann. Aber Vorsicht! Nicht: Ich melde mich wieder, sondern: lass den anderen sich wieder melden, sonst behältst du den schwarzen Peter.

2. Lass dir immer ein Hintertürchen offen

Z.B.: „Eigentlich gerne. Aber das kann ich im Moment noch nicht versprechen, weil da noch eine andere Sache aussteht.“ Nun kannst du erst einmal in Ruhe überlegen, ob du das wirklich machen willst und dir die oben genannten Fragen stellen.

3. Stelle eigene Bedingungen

Z. B.: „Ja, aber ich kann nur am Dienstag ab 18 Uhr, wenn es nicht länger als eine Stunde dauert.“ So schützt du dich gegen Vereinnahmung. Schließlich will der andere etwas von dir und nicht umgekehrt.

4. Schieß den Ball zurück

Z. B.: „Schau doch erst mal, ob du jemand anders findest, der das machen kann. Wenn du niemanden gefunden hast, kannst du dich noch einmal melden.“ So zeigst du Verständnis für das Problem des anderen machst aber auch klar, dass du nicht als Universalproblemlöser zur Verfügung stehst.

5. Sage ein klares „Nein“ und nenne einen plausiblen Grund dafür

Z. B.: „Es freut mich, dass du dabei an mich gedacht hast. Ich bin jedoch so stark mit einer anderen Aufgabe beschäftigt, dass ich das zurzeit leider nicht unterbringe.“ Wenn du dies klar und sachlich zum Ausdruck bringst, wird es dem anderen schwer fallen, weiter zu bohren.

6. Revidiere deine Zusage

Wenn du dich ärgerst, dass du wieder einmal vorschnell ja gesagt hast, dann scheue dich sich nicht deine Zusage zu revidieren. Und zwar so schnell wie möglich. So hat der andere Zeit sich umzuorganisieren und du bist es schnell wieder los. Du musst und solltest dich dafür nicht rechtfertigen, das macht dich nur angreifbar. Sage Z.B. „Sorry, ich habe da was übersehen. Ich bringe mich selbst dabei in Teufels Küche.“
Wenn du lernst, auf diese Weise den Wünschen oder gar Ansprüchen anderer Menschen zu begegnen, wahrst du dein Gesicht, bleibst zuvorkommend und schützt dich vor unerwünschten Übergriffen. Auch hierbei gilt wie immer: Übung macht den Meister. Natürlich möchten wir nicht als unkooperativ oder gar als egoistisch gelten und wir möchten uns auch nicht unbeliebt machen. Aber denke daran: Everybody’s Darling wird leicht zu everybody’s Depp!

1 comment

  1. Kerstin

    Hallo Elmar,
    Ich nehme mir die sechs Punkte zu Herzen und werde mal testen, wie ich sie anbringen kann. Vielleicht ist es doch einfacher als ich immer dachte und ich denke, dass sie auch zu einer besseren Akzeptanz meiner Bedürfnisse führen werden. Getreu, dem Motto „fragen wir Kerstin, die sagt doch eh immer ja“.
    Liebe Grüße
    Kerstin.

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